Samstag , 10 Dezember 2016
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Elisabeth Karamat: Von Einer, die auszog, um ihren Traum zu leben


Österreicherin erzählt über ihre Erfahrungen auf der Karibikinsel St. Kitts – Meine Zeit war knapp, denn ich wollte endlich den langersehnten viertägigen Rückzug aus meinem Journalistenleben – und einen Tag bevor ich diesen Urlaub auf der Insel Nevis antrat, rief ich Elisabeth Karamat in St. Kitts an und fragte, ob wir einander sehen könnten, um ein kurzes Interview zu machen. Sie war sofort Feuer und Flamme und sagte, dass ich in der Hauptstadt Basseterre einfach den Bus nach Saddlers nehmen sollte. Sie würde mich dort treffen. Der Bus in St. Kitts ist wie die meisten Busse in der Karibik ein japanischer Van, der mit Sitzen vollgestopft ist (inkl. den Notsitzen, die unter den Zweier-Sitzbänken herausgezogen werden können). Die Tarife sind niedrig. So kostet die einstündige Fahrt von Basseterre nach Saddlers weniger als 2 Euro. Auf zwei Dinge sollte man sich allerdings gefasst machen: ohrenbetäubende Musik (Reggae ist noch die beste Variante) und haarsträubende Fahrweise (man glaubt der Driver bewirbt sich demnächst für die Formel 1). Doch gibt es auch Ausnahmen wie den Fahrer, der mich an diesem frühen Nachmittag gemütlich und musiklos nach Saddlers fuhr.

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Palmenhain in St. Kitts -nahe der Ortschaft Saddlers

Als ich Elisabeth sah, bemerkte ich sofort das Feuer in ihren Augen und die tiefe Lebensfreude, die sie ausstrahlte. Wir begannen unser Gespräch im Gehen – während wir den Weg zur ihrer Farm nahmen. Wir haben nicht sehr viel darüber gesprochen, wie es ist, der Enge des Büroalltags zu entfliehen, sondern vor allem darüber, wie sich ihr Leben seit der Ankunft in St. Kitts verändert hat. In ihrem Buch hat sie deutlich gemacht, wie schwierig das Leben in der Karibik anfangs war. Damit räumt sie mit dem Klischee des sonnenhungrigen Europäers auf, der die Flucht in die ewig warmen Gefilde unternimmt und dabei die dortigen Probleme völlig ausblendet. Der „Culture Clash“ zwischen ihrem Partner Kwando und ihr wird im Buch nie verheimlicht oder als Kleinigkeit abgetan – viel mehr setzt sie sich damit aktiv auseinander. Dass sie heute sagen kann, vieles sei aus Missverständnissen entstanden, ist Ergebnis jahrelanger Arbeit an sich und ihrer Beziehung. Die Feststellung, dass Kwando für sie immer noch der faszinierendste Mann auf der Welt ist, ist die ultimative Liebeserklärung an ihn und an das Leben auf St. Kitts.

Tiefe Dankbarkeit und Großzügigkeit als Lebenseinstellung

elisabeth und kwando

Elisabeth Karamat und der „Honigmann“-Kwando

Die Aussage, die mich im Zuge des Interviews am meisten berührt hat, war die immer wiederkehrende Dankbarkeit an das Leben und die Umstände. Es ist keine klischeehafte Vereinfachung, dass das Leben in der Karibik einfacher oder besser ist, sondern das Arrangieren mit den Lebensumständen. Der Grad der Mobilität in Saddlers ohne eigenes Auto ist eingeschränkt – vor allem dann, wenn man es mit der Beweglichkeit in Mitteleuropa vergleicht. Doch der Kauf eines Autos ist nicht möglich – ganz einfach, weil es zu teuer ist und weil Kwando und Elisabeth das Geld dafür nicht haben. Und weil Elisabeth den Kittitians zeigen will, dass man auch einen Esel als Transportmittel nutzen und damit zufrieden sein kann. Kwando lebt Bescheidenheit vor. Er ist in sich ruhend und aus dieser inneren Ruhe schöpft er offensichtlich seine Kraft. Und diese wirkt auf alle, die sich darauf einlassen.


Urlaub im karibischen Dorf: Eine Reise in eine andere Welt 

Mit der Karibik assoziieren wir einen gewissen Luxus, weiße Strände, lustige und ausgelassene Menschen, Palmen und üppige Früchte. Dieses Klischee verkaufen Touristiker den Erholungssuchenden aus Europa und Amerika. Die meisten Besucher, die kommen, erleben die Antillen so – nur wenige blicken hinter die Kulissen, in die Dörfer, die keine touristischen Highlights versprechen, sondern Alltag à la Karibik bieten. Das kann man jetzt bei Elisabeth und Kwando erleben. Sie bieten ein „anderes Reiseerlebnis“ an – eines fernab von Glitzer und bunten Lichtern. Was sie gemeinsam mit Anderen teilen wollen, sind Beschaulichkeit und die Einfachkeit des Lebens. Für Interessierte steht die Farm und das Dorfleben bereit – es geht nur darum, sich darauf einzulassen. Im Vordergrund steht natürlich die Begegnung mit Menschen in ihrem Umfeld. Das Dorfleben in St. Kitts kann man nicht von der Stange kaufen. In aller Regel wird man im Dorf auch kaum anderen Reisenden begegnen. Umso interessanter ist dieses Erlebnis. Elisabeth kümmert sich gut und gerne um Gäste und ist gerade als Vermittlerin zwischen den Kulturen ein wirklich großartiger „Katalysator“. Kwando ist als bekennender Rasta übrigens Vegetarier und teilt auch diese Erfahrung gerne mit anderen. Ein Aufenthalt in Saddlers ist damit auch eine kulinarische Neuerfahrung und bietet Einblicke ins tägliche Leben der Menschen vor Ort.

Der Weg zurück
Meine Abreise aus Saddlers erfolgte am frühen Abend. Elisabeth hatte mir einen Bus herunter gewunken, nachdem wir noch ein gemeinsames Abendessen in einem Einheimischen-Lokal hatten. Der Busfahrer erfüllte das Klischee: er fuhr in einem Höllentempo und beschallte alle Anwesenden mit ohrenbetäubender Musik (mit permanenten Tonaussetzern alle 3 bis 4 Minuten). Allerdings zeigte er sich total stolz, dass ein Besucher aus Europa sein Fahrgast war. Am Abend bereitete ich aus den Kräutern, die Kwando mir gab, meinen Kräutertee, der hervorragend schmeckte. Und ich war erfüllt von der Herzlichkeit, die mir der Tag bereitete. Am nächsten Morgen nahm ich die Fähre und setzte nach 50 Minuten Überfahrt meinen Fuss auf die Insel Nevis.

Weitere Informationen:
Elisabeth hat keine Homepage, ist aber über ihre facebook-Seite https://www.facebook.com/elisabeth.karamat oder über ihre E-Mail: karamat80@hotmail.com erreichbar.

Buch: Elisabeth Karamat – „Der Honigmann – Liebesgeschichte einer Diplomatin mit einem spirituellem Heiler in der Karibik“ edition a

oder als kindle edition






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