Mittwoch , 12 August 2020
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Valentinstag: Gedanken über die Reise zu uns selbst


„Eines Morgens entdeckte Taitai in mitten eines Gebirges ein großes Gebäude. Er setzte zur Landung an und konnte erkennen, dass Männer mit seltsamen langen Gewändern im Innenhof dieses Gebäudes saßen und beteten. Als Taitai landete, beendeten sie gerade das Gebet. Sie standen alle auf – bis auf einen älteren Mann, der dort stehen blieb. „Hallo mein Lieber. Wer bist denn du“, fragte der Mann in seiner langen Robe. „Ich bin Taitai aus Aitutaki“, antwortete er aufgeregt. „Ich bin Tang Sien und lebe seit vielen Jahren als Mönch hier“, sprach der alte Mann. „Wir bekommen hier nicht sehr häufig Besuch. Ich meinte mit meiner Frage übrigens, wer du wirklich bist,“ ergänzte der Mönch. Taitai starrte den freundlich lächelnden Mann wortlos an. „Hast du darüber schon einmal nachgedacht“, hakte der Mönch nach. „Du musst es ja nicht sofort wissen, es genügt, wenn du über diese Frage nachdenkst. Meistens ergibt sich die Antwort aus dem Leben selbst.“

Taitai war plötzlich schlecht gelaunt. Er dachte sich: „Was ist das für ein seltsamer Mann, der mir gleich zur Begrüßung mit einer solch seltsamen Frage entgegentritt. Es interessiert ihn scheinbar überhaupt nicht, dass ich von so weit hergekommen und schon so viele Jahre unterwegs bin.“ Tang Sien sah Taitai an und sprach: „Du bist jetzt verstimmt, weil ich dir nicht die Fragen gestellt habe, die alle anderen, die du auf deiner langen Reise bisher getroffen hast, stellten, nicht wahr?“ Taitai senkte den Kopf. „Schau mein Freund“, sprach Tang Sien. „Warum glaubst du, bist du hierher gekommen? Was erwartet dich hier?“ Taitai setzte zu einer Erklärung an, dass er diese Bergkette umfliegen wollte und ganz zufällig auf dieses Kloster stieß und merkte, ehe er etwas sagte, wie töricht seine Antwort war. Er fühlte sich entlarvt. „Ich weiß es nicht Tang Sien. Ich weiß überhaupt nichts mehr“, antwortete er und bemerkte, dass eine Träne aus seinem Auge lief. „Komm mit mir mit“, sprach der Mönch und ging mit ihm durch das große Tor ins Innere des Gebäudes. Taitai setzte sich auf einen Balken, der quer durch den riesigen Raum ging. „Du bist hierher gekommen, weil du auf einige Fragen noch keine Antworten hast. Dieses Kloster ist trotz der Größe des Gebäudes ein Geheimnis geblieben. Hierher kommen nur die jenigen, die auf der Suche nach dem eigentlichen Sinn des Lebens sind, jene, die weiter gegangen sind, weil es sie so sehr drängt, das zu erfahren. Es war deine Sehnsucht nach Liebe, die dich hierher gebracht hat. Wenn du andere erkennen willst, dann musst du zuerst dich selbst erkennen,“ sprach der Mönch langsam. Taitai saß schweigend da, ging langsam wieder nach draußen. Dann startete er, hob sich in die Höhe, schloß die Augen und ließ sich vom eisigen Wind treiben ohne zu frieren.

Die Nacht brach herein und er flog immer noch mit geschlossenen Augen. Es schien als spulte sich alles, was die vergangenen Jahre geschehen war, wie ein Film in seinem Kopf herunter. Die Zeit schien stehengeblieben zu sein. Irgendwann landete er, nahm mehrere Schlucke Wasser aus einer sprudelnden Quelle und stieg sofort wieder auf. Er hatte keinen Hunger, fror immer noch nicht, obwohl die Umgebung tief verschneit war, und er war eines mit sich und der Welt.

Dann, irgendwann landete er erneut im Innenhof des Klosters. Er setzte sich schweigend dorthin, wo er Tang Sien das erste Mal begegnete und wartete. Der Mönch kam nicht. Erst zwei Tage später stand er plötzlich vor ihm. Taitai sagte. „Ich bin ein Liebender.“ Der Mönch sah ihn an und lächelte. „Ja, das bist du“, antwortete er. „Ich bin ein liebender Geschichtenerzähler,“ fuhr Taitai fort. „Weißt du, wofür dein eigentlicher Name steht?“, fragte Tang Sien. „Tai bedeutet ‚der Friede’. Das ursprüngliche Schriftzeichen für Tai stellt einen großen Menschen dar, der über dem Wasser ist und sich darüberhält. Von daher kommt die Bedeutung für ‚erhaben’. In einem unserer weisen Bücher steht der Satz: der Edle ist erhaben, aber nicht stolz. Der Gemeine ist stolz, aber nicht erhaben. So ist auch der Friede zu verstehen. Man geht auf Dinge, auf den anderen ein, ohne sich davon mitreißen zu lassen oder sich selbst zu verlieren. Man hält sich aber nicht fern. Tatsächlich ist Friede eine sehr labile Angelegenheit, eine die immer wieder aufs Neue geschaffen werden muss. Einen ewigen Frieden gibt es nicht, denn ein solcher würde den Tod bedeuten. Tai ist das harmonische Zusammenwirken von Himmel und Erde. Wir sagen, dass in diesem Zustand der Himmel auf Erden herrscht.“

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Film-Dreh in Thessaloniki: Two lovers

Das Motto auf der Reise

Ich habe schon im Vorjahr davon berichtet, dass auf der Hauptpost in Hongkong Zitate berühmter Briefe auf die Fensterscheiben geklebt wurden. Ich weiß nicht wer der Urheber/in dieses Briefes ist, doch ist die Botschaft wohl unzweifelhaft.

Wer allein auf Reisen ist, wird mit sich selbst konfrontiert und muss sich wohl oder übel mit sich selbst auseinandersetzen. Auch wenn es viele Begegnungen mit anderen Menschen gibt, so sind doch viele Momente des Alleinseins auch vorhanden. Und in diesen gilt es, Achtsamkeit zu üben. Dies bewirkt ein bewußteres Sein mit mehr Reaktionsmöglichkeiten. Es geht viel darum, Gefühle und Gedanken zu beobachten – und dann sinnvolle von nicht sinnvollen zu trennen. Die sinnvollen, reichen Gedanken kann man so nutzen…..

 

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In all diesen Momenten des Alleinseins ist sehr viel Potenzial für Wachstum vorhanden – vor allem dann, wenn man das Kennenlernen seiner eigenen Persönlichkeit fördert. Ich habe von einer lieben Freundin den Hinweis auf den chinesischen Philosophen und Zen-Meister Huang-Po erhalten, dessen Lehren sich sehr intensiv damit beschäftigen, den Geist zu beruhigen. „Nichts suchen heißt gelassen bleiben“ – ist eines seiner berühmtesten Zitate. In einer modernen westlich-orientierten und völlig verkopften Welt ist das eine sehr große Herausforderung. Wir werden darauf geschult, ständig irgendetwas haben zu wollen und das möglichst sofort. Das ist die Philospohie der Marktwirtschaft, die die Bedürfnisse zuerst erzeugt und dann vorgibt, sie  befriedigen zu können.

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Wir sind Menschen mit menschlichen Bedürfnissen…….

Dieser Satz steht außer Zweifel. Wir sind auch noch soziale Wesen und brauchen Nähe. Doch gerade die Sucht danach, macht uns zu völlig entfesselten Gestalten, die hastig und ungeduldig durch die Welt hetzen. Wir erkennen nur selten den Wert, den Krisen und die Nicht-Sofort-Erfüllung unserer Wünsche in sich bergen. Das gilt nicht nur für Konsumgüter, sondern auch für einen Partner, für den wir uns entschieden haben – manchmal auch ohne die betreffende Person darüber hinreichend zu informieren, was wir eigentlich wollen (weil wir das ja auch selbst nicht so genau wissen).

Die Nicht-Erfüllung unserer Wünsche und Erwartungen vermag zu bewirken,  dass wir uns selbst erkennen und erforschen. Das geschieht allerdings nur dann, wenn wir uns dieser Herausforderung liebevoll widmen. Und diese Hausübung sollten wir enrst nehmen, denn alle Dinge, die wir nicht ordentlich lernen, kommen so lange und so oft zu uns zurück, bis wir ihnen endlich die Aufmerksamkeit widmen, die sie verdienen. Auch das ist ein Gesetz. Im Grunde bedeutet das nichts anderes als das Erlernen der Selbstliebe. Wer sich selbst nicht liebt, kann keine Liebe anziehen, sondern Mangel. Bedürftige Menschen ziehen Bedürftige an.

Frangipani - DER LIEBE ZU BEGEGNEN.....

Der Valentinstag ist der Tag der Liebenden – auch wenn seine Erfindung einst nur kommerziellen Zwecken diente. Doch nehmen wir diesen Tag heute als einen an, uns über die Liebe Gedanken zu machen. Und daher widme ich diesen Eintrag allen Liebenden – und auch jenen, die an die Liebe glauben.

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