Mittwoch , 8 Dezember 2021
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Postbesuch in der Mönchsrepublik Athos


Auch Europa hat verborgene und sehr exotische Ecken. Eine davon ist zweifellos die Mönchsrepublik Athos – oder Àgio Òros Athos wie sie auf griechisch heißt. Sie liegt im Süden des östlichsten Fingers der Chalkidiki. Die 336 qkm große Halbinsel wird vom mächtigen 2.000 Meter hohen Berg Athos beherrscht, um den sich 20 Großklöster – 17 griechische, ein serbisches, ein bulgarisches sowie ein russisches – sowie mehrere Skiten erstrecken. Sämtliche Klöster sind wegen ihres kulturellen Reichtums zum UNESCO-Weltkulturerbe erhoben worden.

Die Mönchsrepublik ist ausschließlich Männern vorbehalten – und um hierher zu kommen, muss man im Pilgerbüro in Thessaloniki um eine Einreiseerlaubnis – ein so genanntes Diamonitrion – ansuchen. Drei Nächte werden einem Nichtgläubigen zugestanden. Ich habe sechs Monate im voraus um ein solches angefragt und erhielt es schließlich für eines der heiligsten Feste überhaupt: Dem Pfingstfest. Als Philatelist blieb mir also nur der Freitag vormittag, um meine Postgeschäfte abzuwickeln.

Ich fuhr also mit dem Autobus von Thessaloniki aus bis nach Ouranopolis – dem südlichsten Ort der Halbinsel Athos, der allerdings noch in Griechenland liegt und somit jedermann zugänglich ist. Von hier aus geht die Fähre in die eigentliche Mönchsrepublik. Zuvor musste ich noch ins Pilgerbüro um meine Einreiseerlaubnis – das so genannte Diamonitrion – abzuholen. Dann konnte die Pilgerreise losgehen.

Postamt Dafni

Eingang zur Post in Dafni

R-Brief Dafni – Österreich

Hafen Dafni

Seit 2008 verausgabt die griechische Post eigene Briefmarken für den Heiligen Berg Athos, die allerdings auch in Griechenland selbst verwendet werden können. Wer allerdings ein Briefe-Sammler ist, wird sich darum bemühen, ‚echte’ Briefe von hier zu bekommen – denn auf dem Gebiet der Mönchsrepublik gibt es zwei Postämter. Das Eine befindet sich im Hauptort Karyes, das zweite direkt am kleinen Hafen Dafni.

Dafni ist Dreh- und Angelpunkt für Weiterreisende – die entweder in die Klöster weiter südlich fahren wollen oder, die am Landweg weiterreisen. Jeder Reisende muss nämlich vorab um eine Aufnahme im Kloster bitten – und nicht Gläubigen Pilgern wird in der Regel nur eine Nacht Unterkunft gewährt – die allerdings kostenlos. Während der wärmeren Jahreszeit herrscht ein sehr reges Treiben, so dass es manchmal etwas schwierig ist, ein Kloster zu finden. Eine idelae Pilgerreise sieht so aus, dass man zu Fuß von einem Kloster zum Nächsten laufen kann. Doch das ist mir leider nicht gelungen.

Die Hauptstadt der Mönchrepublik ist der kleine Ort Karyes – mitten im Bergland. Dort befinden sich nicht nur das Parlament, sondern auch ein kleiner Supermarkt, Bäcker, Souvenirläden sowie die Post. Was mir als Besucher nicht klar war, ist, dass an einem Freitag vor einem langen Wochenende die Post bereits zu Mittag schließt. Der Beamte hier ist nämlich kein Geistlicher, sondern ein ganz gewöhnlicher Angestellter der griechischen Postverwaltung. Und dieser wollte eben pünktlich nach Hause fahren. So stand ich vor geschlossenen Türen, die mir allerdings dankbarerweise noch ganz kurz geöffnet wurde – für die Aufgabe eines einzigen eingeschriebenen Briefes. Dieser wurde auch mein Prunkstück – da keine 2-Euro-Marke von Àgio Òros mehr vorrätig war, klebte der Beamte eine griechische Marke zu den beiden anderen dazu –  also eine klassische Doppelfrankatur.

Postamt Karyes

R-Brief Karyes -Wien

 

Da mein Diamonitrion mit Pfingstmontag endete, konnte ich keines der beiden Postämter erneut aufsuchen. In einem der beiden Souvenirshops, in dem alle möglichen Devotionalien verkauft wurden, bekam ich wenigstens ein paar Briefmarken für Ansichtskarten. Diese konnte ich im Postkasten von Karyes einwerfen.

Wartender Mönch

Hauptstraße von Karyes am Wochenende

In Thessaloniki habe ich von einem Briefmarkenhändler erfahren, dass frühe Briefe (also vor 1945) von den Klöstern nach Griechenland oder nach Russland zu den gefragtesten Sammlerstücken überhaupt gehören. 1909/10 wurden in Karyes Briefmarken der russischen Levante mit einem Aufdruck „Mount Athos“ – in lateinischer und kyrillischer Schrift – verkauft (so ein Spezialkatalog* bzw ein griechisches Briefmarkenauktionshaus).

Die Briefmarken können übrigens auf der Website der griechischen Post erworben werden.  http://www.elta.gr

Kloster Iviron

Kloster Iviron Briefmarke 2008

Mönch in einem Kloster

Literatur: *Karamitsos, A. (2006). Hellas 2006: Stamp catalog and Postal history, Volume II. Thessaloniki

 

 






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