Mittwoch , 22 Mai 2019
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Valentinstag: Über das Loslassen und Lieben


„Liebt einander, aber macht aus der Liebe keine Fessel. Lasst sie vielmehr ein wogendes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein. Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher. Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib. Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst einander auch alleine sein, so wie die Saiten einer Laute alleine sind, aber doch durch dieselbe Musik schwingen. Gebt einander eure Herzen, aber nicht in gegenseitige Aufsicht, denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen ganz umfassen. Steht einer beim anderen, aber steht nicht zu nah, denn die Säulen des Tempels stehen einzeln, und Eiche und Zypresse wachsen nicht im gegenseitigen Schatten.“  – Khalil Gibran über die Liebe.

Die Liebe ist wie ein Tanz beider Partner – ein Wiegen im gemeinsamen Rhythmus, ein Loslassen und erneutes Anziehen. „Es ist die Anhaftung, die unglücklich macht“, sagen die Daoisten. Vielleicht gibt es wirklich keine passendere Beschreibung der Liebe als jene eines hingebungsvollen Tanzes. Auch wenn die Musik verklungen ist, schlagen die Herzen noch weiter im gleichen Rhythmus.

Der Weise erklärte Taitai einst: „Das Leben hat sehr viel Ähnlichkeit mit einem Fluss: Wenn Du den Mut aufbringst, Dich diesem hinzugeben, dann kannst Du mit beiden Händen das Ufergras frei lassen, denn sonst zieht Dich das Wasser nur in eine einzige Richtung. Wenn Du Dich dem Fluss anvertraust, dann kann er Dich tragen und Dich an jenen Stellen vorbeibringen, die es sich lohnt zu sehen. Ein Fluss besteht nicht nur aus Stromschnellen, sondern auch aus ruhigen Passagen.“ Taitai blickte seinen Lehrer in die Augen. „Ich glaube, dass ich verstanden habe“, antwortete er.

Gewidmet allen Liebenden am Valentinstag 2017.

 






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