Mittwoch , 12 August 2020
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Zwei Jahre AmLiebstenReisen: Wege des Entdeckens


Jeder kann heute Reisen. Man kauft sich eine Fahrkarte oder bucht ein Flugticket und ist schon im nächsten Moment in einem anderen Land oder in einer anderen Stadt. Tourismus ist mittlerweile zu einem der größten Industriezweige geworden. Heerscharen von Reisenden wälzen sich heute durch die großen Hotspots des Fremdenverkehrs – egal ob in London, Paris, Hollywood, Manhattan, Venedig, Florenz oder Rom, aber auch in scheinbar entlegenen Ort wie dem Nordkap, dem Felsen von Sigiriya in Sri Lanka oder der Great Wall of China. Das individuelle Erleben wird häufig durch die große Zahl der Reisenden getrübt. Dabei gibt es auch in diesen Hotspots immer noch Straßenwinkel und Plätze, die fernab der Trampelpfade liegen. Dazu braucht man ein wenig Inspiration und Entdeckerlust. Natürlich gibt es Gründe, warum die Sehenswürdigkeiten würdig sind, gesehen zu werden. Doch diese bilden dennoch nicht das Herz (oder die Seele) eines Landes, sondern bestenfalls eine Extra-Draufgabe. Das Herz und die Seele einer Destination sind immer noch die Menschen in ihrer Umgebung. Und das Sich-Darauf-Einlassen ist das eigentliche Erlebnis. Und das fällt –insbesondere in fremden Ländern – vielen Reisenden sehr schwer. Die Angst vor dem Unbekannten ist größer als die Lust das Neue kennenzulernen. Der Urlaub im luxuriösen All-Inclusive-Club in einem armen Land spiegelt die Realität des jeweiligen Landes aber nicht wider. Die Enklaven der Touristen sind wie ein Disneyland in einer völlig fremden Kultur. Ich habe einige Menschen getroffen, die in der Dominikanischen Republik oder in anderen Ländern zwei Wochen Urlaub gemacht haben, aber von Land und Leuten so gut wie nichts gesehen haben. Das gleiche gilt für die unsäglichen Kreuzfahrer, die für maximal 8 Stunden wie ein Schwarm von Termiten über eine Inselhauptstadt in der Karibik herfallen. Die Heerscharen von Touristen wagen sich aber selbst in der Gruppe kaum über die ersten paar Querstraßen des Hafens hinaus. Die jeweiligen Insel-Regierungen haben übrigens auf diese Art des Tourismus so reagiert, dass sie die Kreuzfahrtterminals auch in eine Art „geschützte Werkstatt“ verwandelt haben: Mini-Shoppingmeilen nach US-amerikanischem Muster, die sich schon vom Äußeren stark vom Rest der Orte unterscheiden. So fühlt sich der Gast sicher und etwas mehr zu Hause.

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Tägliches Leben: Straßenszene in Mindelo – Sao Vicente/Kapverden

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Was willst Du? (Meiner lieben Cousine Edda gewidmet) Alter Mann im Cham Village, nahe Chau Doc, Mekong-Delta, Vietnam

„Generation Interrail“: Jugendliches Entdecken-Lernen

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der das Rucksack-Reisen – vor allem mit dem großartigen Interrail-Ticket, das 30 Tage in ganz Europa gültig war – aktuell war. Auch wir waren Heerscharen von Backpackers. Vor allem in den hippen Destinationen – etwa Kopenhagen, Amsterdam, Paris oder London – war man nie alleine. Das galt auch für die Züge: in total überfüllten Waggons ging es Richtung Süden. Um Geld zu sparen, hatten wir alle die Idee in Zügen die Nacht zuzubringen. So musste man sich um keine Herberge kümmern. Eine der eigenartigsten Begegnungen hatte ich auf einem deutschen Bahnhof am Ende einer solchen Interrail-Tour bei der ein junger Deutscher, der völlig verdreckt und versifft war, die Frage an mich richtete, wie lange ich schon unterwegs wäre. Als ich meinte, dass es nun der letzte Tag angebrochen sei, sah er mich erstaunt an und meint „Aber du bist ja gar nicht dreckig.“ Mir fiel darauf keine Antwort ein. Der größte Nachteil der Interrail-Fahrten war übrigens die Tatsache, dass viele Reisende in erster Linie Züge und Bahnhöfe sahen und nur wenig von Städten, Land und Leute. Dafür waren die Zugsfahrten in den vollbesetzten Abteilen mit vielen Gleichaltrigen der absolute Hit.

 

Das neue ego-zentrierte Weltbild der Reisenden

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Ich bin der Mittelpunkt der Welt. Was willst Du also? Königspinguin Südgeorgien

Auffallend sind die vielen Reiseblogs, die wie Pilze aus dem Boden des virtuellen Raums schießen. Einige davon sind richtig gut, andere grottenschlecht und viele schlechtes Mittelmaß. Der Glaube, dass jemand der das ganze Alphabet beherrscht auch schreiben kann, ist weit verbreitet. „Wer eine Reise-Erzählung mit der Beschreibung der Fahrt zum Airport beginnt, hat bereits die Geschichte versaut“, bemerkte ein Journalisten-Kollege einmal treffend. Dass Dramaturgie gewissen Gesetzen folgt, ist klar. Und diese sollten Schreiber auch anwenden. Bloß sollte man wissen, wie das geht. In Ermangelung der Anwendung dieser, bleiben die Schreibereien auf Volksschul-Niveau (oder sogar noch darunter). Dass einzig und allein die Zahl der „Likes“ als Qualitätskriterien herangezogen werden, ist auch ein Armutszeugnis. Ein Micky-Mouse-Heft hat definitiv höhere Verkaufszahlen als ein zeitgenössischer Roman. Was sagt das letztlich über den Wert des Werkes aus?

Sehr weit verbreitet sind auch die Blogs, die den Urheber ins Zentrum des gesamten Universums stellen. Mit den Selfie-Sticks entstehen so die Bilder, die MICH vor der Kulisse der Welt zeigen. „Ich war da. Ich hab das gesehen. Ich habe den Nanga Parbat bestiegen. Ich war im Luxus-Hotel und ich war auch in Afrika.“ In dieser Art und Weise ‚erzählen’ sich die neuen BloggerInnen durch die Weiten des WWW. Inhalte gibt es wenig, der Bilder viele. Zugriffe gibt es ganz oft auch ganz viele, weil die Produzenten mit den Konsumenten quasi eine Personalunion bilden. Beide sind gleich gepolt. Wen wundert es da, wenn der Inhalt mager ist. Hauptsache das coole Outfit im noch cooleren Ambiente passt. Neulich fragte mich eine Journalisten-Kollegin nach dem Sinn solcher Blogs. Ich wußte keine Antwort drauf.

 

AmLiebstenReisen liebt das Reisen

Ich feiere in diesen Wochen den zweiten Geburtstag des Blogs „AmLiebstenReisen.at“. Die Arbeit daran gefällt mir immer noch, auch wenn die Zugriffszahlen besser sein könnten. Ich bin der von mir vorgegebenen Linie allerdings treu geblieben: Mein Wunsch ist die Schärfung des Blicks für Momentaufnahmen rund um den Globus. Im Vordergund steht das Erlebnis. Die Lust am Sein, am Reisen, am Hinschauen. Ich teile meine Aufnahmen – nach dem Motto „weniger ist mehr“. Ich erhebe nicht den Anspruch eine Ergänzung eines Reiseführers zu werden oder gar zu sein. Das Fotografieren macht mir Spaß. Auch wenn einige Bilder technisch besser sein könnten – es geht in erster Linie um die Sprache, die diese Bilder vermitteln. Mein Wunsch ist es, solche Fotos zu machen, die für sich sprechen – egal ob Menschen darauf abgebildet sind, Landschaften oder Objekte. Es ist ein Eintauchen in die Welt der Bilder. Am liebsten würde ich sogar ganz auf Bilduntertexte verzichten, doch die geografischen Angaben gehören als fixer Bestandteil zum Blog.

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Kinder in einem Dorf in Simbabwe

DANKESCHÖN

FTI Touristik

Als ‚Geburtstagskind’ möchte ich auch allen danken, die mir geholfen haben, dieses Werk am Laufen zu halten. Ganz oben auf der Liste steht die liebe Doris und der liebe Paul – gemeinsam mit dem klassen Alex – dem Chef eines wirklich guten Unternehmens, das Menschen in den Urlaub schickt. Ihr seid echt wichtige Unterstützer und Förderer – und vor allem liebe ich Euren Weitblick in Hinblick auf die Entwicklung guter Sachen (die wachsen eben nicht über Nacht). Viele der feinen Leute, die ich durch Euch kennenlernen konnte, haben sich auch als wertvolle Partner erwiesen. Es sind in diesen zwei Jahren ganz viele tolle Geschichten entstanden, die weit über diesen Blog hinausreichen. Und wir planen bereits eifrig weiter. Herzliches Dankeschön.

Großer Dank geht auch an all meine Freunde, die immer wieder das anschauen, was ich produziere….wenn auch nicht tagtäglich. Aufgrund der Knappheit der Ressource „Zeit“ war die Idee des „täglichen Bildes“ auf dem Blog geboren. Auch wenn man nur kurz Zeit hat, kann man sich durch ein Foto inspirieren lassen.

In diesem Sinne – schönen Sonntag und danke

ways2-blog

Wanderung in Südgeorgien – von Maiviken nach Grytviken






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