Freitag , 22 Oktober 2021
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St. Maarten: Wo Jets die Strand-Idylle gar nicht stören


Wer hätte das für möglich gehalten, dass ein staubzucker-weißer Strand mit dem typischen türkis-blaugrünen Wasser und sanften Wellen am Anfang der Landebahn eines internationalen Airport zum Touristenrenner werden kann? Die Rede ist vom Maho-Beach auf der Antilleninsel St. Marteen. „Weißt du“, sagt John, der hier im niederländischen Teil der geteilten Insel aufgewachsen ist „so etwas kann es nur hier geben. In den USA wäre das alles abgesperrt und keiner dürfte auch nur annähernd so nahe an die landenden Flugzeuge heran.“ Er fügt dann noch hinzu, dass der Zaun vor einigen Jahren etwas weiter nach hinten verlegt wurde, um nicht noch näher an die Flugzeuge heranzukommen.

An den Tagen, an denen der KLM-Jumbo und der Air France Airbus A340 von Europa hier ankommen, herrscht schon Stunden vor dem Anflug reger Betrieb. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgt die Sunset Bar, die auf Tafeln ankündigt, welches Flugzeug, wann ankommt. In der Mittagszeit, wenn Hochbetrieb herrscht, findet man auf der überdachten Terrasse kaum einen Sitzplatz. Planespotting ist – wie man hier unschwer feststellen kann – übrigens keine reine Männerdomäne.

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Der Jumbo von KLM ist der größte Jet, der hier am Princess Juliana Airport landet

Was soll man den ganzen langen Tag hier machen

Maho beach

Win Air Twin Otter im Landeanflug

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Maho beach

Airbus A340-300

Maho beach

Maho beach

Maho beach

Air france A340 beim Abflug

St. Maarten ist anders – in jeglicher Hinsicht. Der nördliche Teil der Insel gehört als Übersee-Department zu Frankreich, ist Teil der EU und Euro-Zone. Der südliche Teil gehörte zu den Niederländischen Antillen, die vor drei Jahren aufgelöst wurden – und so wurde St. Maarten ein eigenes Land. „Doch ganz so einfach ist das jetzt auch wieder nicht“, erklärt mir Reinier, der als holländischer Jurist an der Auflösung der Rechtsverträge arbeitet. Immer noch gibt es den Niederländischen Antillen Gulden ANG als offizielles Zahlungsmittel. „Das heißt, dass wir eine Währung eines Landes haben, das es nicht mehr gibt“, fügt er lächelnd hinzu. Aber das spielt hier ohnehin keine Rolle, weil man überall mit US-Dollar bezahlt, auch wenn viele Geschäfte Preise in ANG anschreiben.

Menschen aus mehr als 100 Staaten der Welt leben und arbeiten in St. Maarten. Der Großteil davon im Dienstleistungssektor, der mit Fremdenverkehr zu tun hat, denn pro Jahr kommen fast zwei Mio. Kreuzfahrtpassagiere hier her. Zudem haben viele US-Bürger Sommerhäuser und Villen hier. Die Regierung von St. Maarten hat vor einigen Jahren das Glückspiel legalisiert. Seitdem sind Casino-Hotels wie Pilze aus dem Boden geschossen. Riesige Hotelbauten mit bis zu 500 Zimmern sind entstanden. St. Maarten ist sozusagen der Ballermann der Karibik – mit Beach, Bars, Restaurants, Glückspiel und was sonst noch alles dazugehört. Nur im französischen Teil der Insel geht es etwas gemütlicher zu. Hier finden sich vornehmere und teurere Unterkünfte. In den Cafes möchte man meinen, in einem Vorort von Paris zu sein.

Der laute Strand: Maho-Beach-Aktivitäten

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Tiffany – Fotografin und Entertainerin

Fast täglich ist Tiffany am Maho-Beach. Sie ist in den USA geboren und arbeitet seit ein paar Jahren als Fotografin in St. Maarten. Hochzeiten, Exkursionen, Events – alles setzt die quirlige junge Frau geschickt ins Bild. Zu den größten Freuden gehören aber Menschen am Maho Beach. „Ich kenne alle Flugzeugtypen und mache Bilder, die so aussehen als lande der Jumbo in deiner Hand“, erzählt sie. Als eine Boeing der Delta Airlines sich der Landebahn nähert, springt Tiffany auf und schreit in die Menge „Nice jet approaching. Get your cameras ready“.

Große Aufregung herrscht auch als sich ein Jumbo zum Abflug bereit macht und langsam zum Ende der Landebahn rollt um sich in Startposition zu bringen. Zahlreiche Schaulustige nähern sich dem Absperrzaun und halten sich daran fest, während das stählerne Ungetüm seine Abgase in ihre Gesichter bläst. Im ohrenbetäubenden Getöse der vier Turbinen werden Sand und Staub aufgewirbelt. Dann setzt sich der Koloss langsam in Bewegung. Die Menge jubelt und johlt. Tiffany hat ein amerikanisches Pärchen dabei fotografiert, wie sie sich von den Triebwerken sandstrahlen lassen, während ich auf ihr Equipment aufpasse.

Obwohl der Großteil der internationalen Flugbewegungen ab 15 Uhr zu Ende ist – und dann nur noch die winzigen Propellermaschinen der umliegenden Inseln kommen, herrscht in der Bar Hochbetrieb. Jetzt fließen Bier und Rum-Punches in größeren Mengen. Ich lerne Menschen aus Kanada, Florida, Tennessee und Oregon kennen, die alle den ganzen Tag hier verbringen, um Flugzeugen beim Landen und Starten zuzusehen und währenddessen ein oder mehrere Biere trinken.

Die einsamen Nächte von Philipsburg

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Das Schiff fährt ab……ein paar Einheimische bleiben zurück

Für lächerliche zwei US-Dollar fahre ich mit dem Bus – einen vollbesetzten Mini-Van zurück nach Philipsburg. Noch herrscht in den zwei parallel zum Meer laufenden Einkaufsstraßen Hochbetrieb. Auch auf der Strandpromenade tummeln sich in der fahlen Abendsonne noch einige Gäste. Im Hintergrund stehen die beiden gigantischen Kreuzfahrtschiffe. Dann, als sich die Sonne langsam senkt, wird die Stadt immer einsamer. Es wirkt so, als würden die Gehsteige nach Sonnenuntergang nach oben geklappt. Am Horizont sieht man das große Schiff in die karibische Nacht abdampfen.

Ich mache mich auf die Suche nach Eßbarem und treffe auf das Chippie Cafe, das von der Chinesin Molly Wong und ihrem Ehemann Mario aus Holland betrieben wird. Stilgerecht trinke ich ein Karib Bier. Mario serviert mir ein hervorragendes chinesisches Schweinefleisch und legt mir gegen 20 Uhr nahe, den Heimweg anzutreten. „Jetzt ist das noch kein Problem“, sagt er. In zwei Stunden würde ich dich persönlich nachhause bringen, auch wenn es nur drei Blocks sind, denn in der Nacht kann es hier in Philipsburg wirklich gefährlich werden.“

Ich erreiche mein kleines Familienhotel, in dem nur wenige Touristen absteigen, sicher. Als mich am nächsten Tag die Morgensonne in der Nase kitzelt, liegt bereits wieder ein Kreuzfahrtschiff am Pier. Und als mich vor der Haustüre ein Taxifahrer fragt, ob ich mir den KLM-Jumbo im Landeanflug ansehen will, winke ich freundlich ab und erwidere: “Den hab ich schon vor zwei Tagen gesehen.“

Philipsburg

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Am nächsten Morgen sind die schon wieder da……

Anreise: Mit Air France/KLM via Paris/Amsterdam nach St. Maarten Princess Juliana Airport www.airfrance.com www.klm.com

Unterkünfte: Die größte Auswahl bietet die Hotelbuchungsplattform www.hotels.com – Billigstes Hotel ist das Seaview Beach Hotel in Philipsburg (www.seaviewbeachhotel.com)

Weitere Informationen: St. Maarten Tourism Board http://www.vacationstmaarten.com , die Info-Page http://www.st-maarten.com für den niederländ. Teil und http://www.stmartinisland.org für den französ. Teil. St. Martin ist Zollfreihandelszone. Zwischen den beiden Teilen der Insel gibt es keine Grenz- und Zollkontrollen .

Anmerkung: Von St. Maarten aus gibt es sehr gute Flugverbindungen zu vielen anderen Karibikinseln, etwa nach Saba, St. Barts, Anguilla, St. Kitts, Nevis und Dominica www.fly-winair.sx

 

Philipsburg

Mainstreet Philipsburg vor dem großen Run……zu früher Morgenstunde

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Maho Beach vor dem großen Run






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