Samstag , 20 Juli 2019
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Dominica: Karibik abseits von Klischees


Fünfmal habe ich den Weg über den Atlantik schon genommen. Angefangen hat die Liebesbeziehung zu dieser Insel im Jahr 2002 – bei meiner allerersten Karibik-Reise. Ich hatte einen Freund in Tortola auf den British Virgin Islands besucht und war auf dem Weg nach Süden – genauer gesagt nach Grenada, wo ich meine Freundin treffen wollte. Und da diese Caribbean Star Flieger wie Autobusse auf jeder Insel einen Stopp machten, beschloss ich in Dominica auszusteigen, eine Nacht dort zu bleiben und erst am nächsten Tag weiterzufliegen. Schon der Landeanflug mit der zweimotorigen Dash 8 war der Wahnsinn: Als der kleine Flieger immer tiefer ging, war nichts zu sehen außer dem dichten Regenwald mit seinen unzähligen Grüntönen. Dann plötzlich machte der Flieger einen Plumps und bremste scharf ab. Als ich ausstieg, blieb mir der Mund offen stehen. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Es war, als wäre das Flugzeug in einer breiten ausgeschlagenen Waldschneise gelandet, die nur gegen den Atlantik nach Osten hin offen war.

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Emerald Pool: Tropischer Dschungelgarten mit Wasserfall

Rund um den Flughafen gab es nur Bäume, kein Dorf und keine anderen Gebäude, sondern nur das Grün des Waldes. Ich glaube, dass mich dieser Anblick alles vergessen ließ, denn als ich zur Immigration kam, fragte mich die Zöllnerin, wo ich denn übernachten würde. Ich stammelte etwas von einem kleinen Hotel, das im Lonely Planet angeführt war. Die nächste Frage war dann, ob ich dort schon ein Zimmer reserviert hätte. Ich starrte sie an und schüttelte meinen Kopf. Sie führte mich zum Help Desk vom Fremdenverkehrsamt Discover Dominica und die nette Frau, die dort saß, machte die Reservierung für mich. Dann trat ich ins Freie. Vor der Tür stand Kenneth ‚Kojak’ mit seinem Taxi-Van. So als hätte er auf mich gewartet. Wir grinsten uns an und begannen dann die Preisverhandlung für die Fahrt. Inzwischen leerte sich der kleine Flughafen immer mehr. Die Dash war längst weitergeflogen und wenig später war das ganze Gebäude total verwaist. Kojak fuhr los. Er nahm die Straße in die Hauptstadt Roseau. Und da begann diese Insel das erste Mal voll auf mich zu wirken. Die fast eineinhalb Stunden führten fast nur durch den Regenwald, wir kreuzten kleine Flüsse und Bäche. Ich dachte mir: „Am liebsten bleibe ich gleich hier. Ich will nirgendwo mehr hin. Das ist meine Insel.“

Dschungelstraße

Straße vom Airport in die Hauptstadt Rouseau

 

Eine kurze Nacht und noch mehr Impressionen

Kojak fuhr mich in die Stadt, direkt zum Busterminal, wo ich den öffentlichen Bus – einen vollgepackten Minivan – nach Scott’s Head, ganz im Süden der Soufriere Bay, wo sich die Karibik und der Atlantik ganz nahe kommen, nahm. Ich übernachtete bei Herche’s (*existiert nicht mehr) mitten in der Ortschaft, bekam zum Dinner in der hauseigenen überdachten Strandveranda Mountain Chicken (Frosch, der mittlerweile streng geschützt ist, da die Zahl der Tiere durch eine Infektion stark dezimiert wurde), Oktopus mit Knoblauch und gegrillte Conch (Riesen-Fechterschnecke) serviert und saß nur da, beobachtete die Sonne, wie sie am Horizont verschwand und das Firmament in ein tiefes Orangerot tauchte, ehe die Nacht einzog. Am nächsten Morgen war ich gegen sechs Uhr auf, lief durch Scott’s Head, schoss Fotos vom frühen Morgen im Dorf. Zum Frühstück bekam ich reichlich Obst und um 10:30 kam Kojak mit seinem Taxi-Van, um mit mir eine kleine Inselrundfahrt zu machen. Er zeigte mir einige Aussichtspunkte in Roseau, die Trafalgar-Wasserfälle, den Layou-River, machte einen Stopp beim Emerald Pool und lieferte mich pünktlich am Flughafen ab. Das war mein erster Aufenthalt auf Dominica. Bei meiner nächsten Karibikreise 2004 verlängerte ich den Aufenthalt um ganze zehn Tage.

Viele Dinge haben sich in den vergangenen 12 Jahren verändert –nicht aber der Charakter des Flughafens Melville Hall (obwohl die Landebahn verlängert und das Gebäude rundum modernisiert wurde) und auch nicht die Straße nach Roseau – obwohl sie begradigt und neu asphaltiert wurde. Es sind zwar zahlreiche Hotels und Ressorts dazugekommen, aber ein Hotel mit mehr als 60 Zimmern gibt es Gott sei dank immer noch nicht (Möge das auch hoffentlich nie der Fall sein).

 

 

 Ein Wiederholungstäter in Sachen Wiederkehr: Dominica will langsam entdeckt werden

Fünfmal war ich nun schon da. Manche fragen mich, ob ich vorhabe, noch öfters zu kommen. „Ja, sehr gerne“, antworte ich da immer. Denn jedes einzelne Mal gab es noch weitere Sachen zu entdecken, die ich vorher nicht kannte – und das, obwohl das ganze Eiland nur doppelt so groß ist wie Wien. Es gab immer andere Nuancen, andere Farben, die dominant waren. Manchmal ertappe ich mich dabei zu sagen, dass die Soufriere Bay mein Lieblingsplatz ist, doch im gleichen Augenblick fallen mir die schwarzen Sandstrände der Atlantikküste ein, wo die Wellen tosend laut an die Küste donnern, oder die Straße von Rosalie Bay hoch nach Grand Fond oder die kleine Ortschaft St. Joseph mit ihrer großen Kirche und der Rasenfläche davor. Auch das sind alles Orte, die ebenso magisch und bezaubernd sind und das Prädikat ‚Lieblingsplatz’ auch verdienen. Und es gibt noch viel viel mehr davon. Wer Dominica einmal besucht hat, kriegt nicht genug davon, weil alles in einer unfassbaren Üppigkeit vorhanden ist. Es gibt nicht nur ein paar Wasserfälle, sondern gleich dutzende – einer spektakulärer als der andere. Es scheint, als habe der Schöpfer diese Insel mit Liebreizen überhäuft. Spektakulär ist natürlich auch der fast 1.500 Meter hohe Morne Diablotins, der majestätisch in die Höhe ragt, fast immer eingehüllt in ein Nebelkleid, oder das Naturschutzgebiet um den 1.400 Meter hohen Vulkan Morne Trois Pitons mit dem großartigen Boiling Lake und dem ‚Valley of Desolation’, wo es scheint, als würde die Erde all ihre Gase auslassen, die sie im Inneren drücken. Dreimal habe ich die fast achtstündige Boiling-Lake-Wanderung gemacht und dabei immer wieder geflucht, weil mir die Knie am Rückweg beim Bergabgehen schmerzten oder ich an einem moosigen Stück unfreiwillig auf mein Hinterteil fiel. Jederzeit würde ich diese Wanderung wieder machen –allein deshalb, um noch einmal diese Szenerie zu sehen, die frische Luft beim Lake einzuatmen, die Flatulenzen der Erde im Valley zu riechen und nach vollendeter Wanderung ein kühles Kubuli-Bier zu trinken.

 

Was ein Geschichtenerzähler erzählen kann……

Jetzt schreibe ich meine 20. Dominica-Geschichte für meinen eigenen Blog– ohne allerdings alles das vorweg zu nehmen, was ich in einer Zeitung oder in einem Magazin über diese Insel berichten werde. Medien wollen keine persönlichen Geschichten, sondern einen kurzen Abriss dessen, was einem in einer Destination erwartet. Doch in Wirklichkeit waren es die vielen netten Begegnungen auf dieser Insel, die mich so unglaublich glücklich machten. Diese freudigen und enthusiastischen Menschen mit einem Lächeln im Gesicht und die stundenlangen Gespräche wie etwa bei meinen Gastgebern Regina und Coy im Kalinago Indian Territory, bei denen ich im Privathaus untergebracht war. Auch die täglichen Mittagessen mit meinem lieben Freund Kurnel will ich nicht missen – er, der mich seiner Frau gegenüber als „Einheimischer“ beschrieb (welch große Ehre! Danke lieber Kurnel), hat mir so viel erzählt und gezeigt. Sehr berührend waren auch immer die Besuche bei der lieben Frau Lockhart in Grand Fond, die ich vor 11 Jahren in der Ortschaft kennengelernt habe und die heute weit über 70 Jahre alt ist. All diese Begegnungen, machen die Sonntags-Insel für mich persönlich so wertvoll. Ich habe die Insel mehreren Menschen, die mir wichtig sind, ans Herz gelegt –einfach, weil ich auch wissen wollte, wie es ihnen dort gefällt. Kein einziger von ihnen war enttäuscht, alle kamen mit einem Strahlen im Gesicht zurück.

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Der erste Morgen in Dominica 2002: Blick über die Soufriere Bay

 

Eine langewährende Freundschaft mit einer Insel

Einmal fragte mich die nette Frau vom Fremdenverkehrsamt, ob man Gäste nicht sofort und auf dem schnellsten Weg nach Dominica bringen sollte. „Nein“, sagte ich. „Sie sollen vorher ruhig andere Inseln besuchen – denn dadurch kommt diese spezielle Note der Sonntagsinsel noch viel klarer zur Geltung. Es mag schon sein, dass es auf Barbados oder Antigua großartige Strände gibt – aber sie wiegen diese Einzigartigkeit von Waitukubuli (der indianische Name von Dominica steht für „großer Körper“) bei weitem nicht auf. Dominica ist das Ensemble vieler großartiger Einzelheiten zu einer gemeinsamen Einheit. Als ich meine Fotografen-Freundin Caro nach Dominica bringen wollte, fragte sie mich, ob ihr das wohl gefallen würde. Da wir gute Freunde sind, antwortete ich direkt und sagte, „Wenn es dir da nicht gefällt, dann kann ich dir wirklich nicht mehr helfen.“ Sie lachte und als sie zurückkam rief sie an und bedankte sich für diese Empfehlung. Ihr Partner, der mit ihr dorthin reiste, war vor Überwältigung zu Tränen gerührt. Ich weiß, dass Caro eines Tages ein grandioses Fotobuch über meine geliebte Insel machen wird und darauf freue ich mich jetzt schon. Jetzt, liebe Leser, lassen Sie mich meine Freude mit Ihnen teilen. Danke!

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Dominicanisch-Österreichische Freundschaft. Diese Flaggenkonstellation fand ich an der Uferpromenade von Charlestown/Nevis bei meiner Ankunft

 

Weitere Informationen: http://www.dominica.dm

Anreise: Air France/KLM via Paris/Amsterdam entweder über St Maarten und WINAIR nach Dominica oder mit Air France nach Martinique/Guadeloupe und dann mit der Schnellfähre weiter nach Dominica. http://www.airfrance.com

FTI Touristik
Meine Empfehlung: Inselhüpfen Martinique, Dominica und Guadeloupe von FTI Touristik http://www.fti.at

Eingeschlossene Leistungen: 14 Übernachtungen in Mittelklassehotels, Frühstück, Mietwagen Kat. A, Transfers, Fährüberfahrten, Deutschsprachiger Empfang bei Ankunft, Telefonische Assistenz während des Aufenthalts;

p.p. inklusiver Flug ab/bis Wien um € 2.798 buchbar.

Information und Buchung in über 1.000 FTI Partnerreisebüros in Österreich.

 






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