Donnerstag , 1 Oktober 2020
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Montserrat: Das Leben im Schatten des Vulkans


Am 18. Juli 1995 wird die kleine Stadt Plymouth, Hauptort von Montserrat, unsanft aus dem Schlaf gerüttelt. Nach 400 Jahren speit der Vulkan La Soufriere, der im Rücken zur Hafenstadt liegt, Asche und Rauch. Kleinere Erdstöße im Jahr zuvor hatten den Hinweis geliefert, dass der Berg wieder im Erwachen war.

Die folgenden Wochen nach dem Juli 1995 werden für die damals noch 11.000 Bewohner der Insel zu den Schlimmsten. Am 21. August spuckt der Vulkan so große Aschemengen aus, dass die Sonne um neun Uhr morgens eine Viertel Stunde lang verdeckt bleibt.

Am 17. September stürzt dann der halbe 920 Meter hohe Berg auf einer Seite in sich zusammen. Die Asche wird bis in eine Höhe von 13.000 Metern gewirbelt. Die Eruptionen dauern bis 2001 an.

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Blick auf die ehem. Hauptstadt Plymouth

Eilig eingeflogene Experten des US-Geological Survey erklärten gottseidank rechtzeitig zuvor die halbe Insel zum absoluten Sperrgebiet. Das hat Menschenleben gerettet – aber die Verwüstung ist gewaltig. Dort wo der Vulkan alles zerstört hat, lag die Kornkammer der Insel. Hier wuchsen Obst und Gemüse und ein üppiger Regenwald, der für einen optimalen Wasserkreislauf sorgte. Zudem lieferten die Berge hochwertiges Trinkwasser aus kühlen Quellen – ein seltenes Phänomen in diesen Breiten.

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Der todbringende Vulkan im Schlummerzustand

Die tote Stadt: Plymouth

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Blick Richtung Plymouth: eine einzige Wüste

Von der einstigen Hauptstadt ist fast nichts mehr übrig geblieben. Heftige Regenfälle verwandeln die Asche zu Schlammlawinen, die wie eine dickflüssige, tödliche Masse alles überrollten. Die meisten Häuser sind auch heute noch meterhoch von Asche bedeckt.

Die Hitze der Sonne hat sie zu einer steinharten Schicht verwandelt. Plymouth ist verlassen – eine Geisterstadt, die noch dazu in einem Sperrgebiet liegt. Der Eintritt ist verboten. Nur am nördlichen Rand kann man auf die öde Wüste, die verkrüppelten Bäume und Reste von Häusern sehen. Knapp 7.000 Menschen haben Montserrat verlassen. Die restlichen 3.000 haben im Norden eine neue Hauptstadt gebaut.

Mit größter Anstrengung haben sie aus ihrem Inselchen wieder ein kleines Paradies geschaffen. Der südwestliche Teil wird zur „Daylight Entry Zone“ erklärt. Hier darf man zwischen sechs Uhr morgens und sechs Uhr abends hinein. Wohnen kann man dort nicht mehr. Ein Geologenteam beobachtet den Vulkan weiterhin rund um die Uhr.

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Mt. Soufriere

Eine grüne Insel

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Als Kolumbus 1493 mit seinen Schiffen erstmals die Antillen entlangfuhr, gab er jeder einzelnen einen Namen. Dabei war er durchaus erfinderisch. Als Mann des Glaubens, stellte er immer wieder Assoziationen zu verschiedenen Bibelstellen, Heiligen oder Klöstern her. So geschah es auch bei Montserrat, das er am 3. November 1493 (übrigens ein Sonntag, weil er auch Dominica an diesem Tag „entdeckte“) betrat und nach dem katalonischen Kloster ‚Santa Maria de Montserrat‘ benannte.

Er nahm das Eiland für Spanien in Besitz – und zog wieder von dannen. Besiedelt wurde Montserrat von Spaniern allerdings nie. Die Briten waren es, die hier 1632 ihre Zelte aufschlugen. Der Glaubenskrieg zwischen Anglikanern und Katholiken führte dazu, dass irische Auswanderer von anderen Antilleninseln wie etwa St. Kitts sich hier ansiedelten. Noch heute führt der Passstempel von Montserrat den irischen vierblättrigen Klee als Sujet und im Wappen findet man die irische Harfe. Man fühlt sich immer noch mit den Iren verbunden.

Das knapp 100 Quadratkilometer großen Eiland blieb eng mit dem Mutterland Großbritannien verbunden: Montserrat wurde ein Teil der Britischen West Indies und selbst als die anderen Inseln unabhängig wurden, entschieden sich die Insulaner dafür, britische Kronkolonie zu bleiben. Neben der nördlich gelegenen Insel Anguilla sind das die letzten Übrigbleibsel des Britannischen Weltreichs – allerdings auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Bewohner.

Herausforderung für den Tourismus

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Friedliche Bucht in Montserrat

Montserrat war eine gern besuchte Karibikinsel – die aber dennoch niemals ein Massentourismusziel war oder werden wollte. Wer hierher kommt, sucht den Frieden und auch die Begegnung mit den liebenswürdigen Menschen. Montserrat ist Karibik zum Anfassen, Karibik zum Kennenlernen. Die Insel liegt nur 50 km nördlich der französischen EU-Außenstelle Guadeloupe.

Der Vulkanausbruch hat dem Fremdenverkehr einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Einige der schönsten Hotels – etwa das Montserrat Springs Hotel – fielen in Schutt und Asche. Bei meinem Besuch vor zwölf Jahren brachte mich Guide Joe Philipp in die Lobby des Hotels. Dazu mussten wir allerdings unsere Köpfe einziehen, denn die halb geöffnete Eingangstüre ist nur noch knapp 1,20 Meter hoch.

An der Rezeption lagen immer noch die Rechnungsblöcke und die hoteleigenen Briefkuverts. Alles lag unter einer dicken Staubschicht begraben. Besonders dramatisch war das Bild in der Küche. Hier haben die heißen giftigen Gase das Blechdach durchlöchert und zum Einsturz gebracht. An den Swimming-Pool im Garten erinnern nur noch die herausragenden Einstiegsgriffe.

Hotellobby

Katastrophen-Tour: Durch das Sperrgebiet

Vulkan-Tourismus als Highlight

Der Vulkan-Tourismus hat sich in Montserrat tatsächlich als Highlight entwickelt. „Das große Problem für uns hier war, dass Menschen im Ausland geglaubt haben, dass es die Insel gar nicht mehr gibt“, erklärte mir eine Souvenirhändlerin in Brades – der neuen Hauptstadt.

„Ein Teil unserer Leute wollte unbedingt weggehen. Aber ganz ehrlich: Was soll ich als West-Indie in London machen?“ Dass das Leben auch auf Montserrat gut weitergegangen ist, wird klar, wenn man sich die Berichte von Reisenden durchliest. Montserrat ist der Asche entstiegen. Die Umgebung des Vulkans ist immer noch Sperrgebiet, aber die Natur hat sich einiges an Terrain zurückerobert.

Ich möchte gerne wieder hierher zurück kommen……denn ich mochte diese Insel mit ihren liebenswürdigen Menschen sehr.

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Herrliches Montserrat

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Weitere Informationen: http://www.visitmontserrat.com

Anreise am besten via Antigua – entweder mit der Fähre oder mit dem Flugzeug






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