Donnerstag , 21 März 2019
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Antarctica 2016/17: Mein Leben an Bord der Midnatsol


Die Antarktis hat mich nicht mehr losgelassen, seit ich das erste Mal 2014/15 dort gewesen bin. Der Wunsch noch einmal dorthin zurück zu kehren, hat mich dazu veranlasst, mich als Lektor bei Hurtigruten zu bewerben. Die Chancen tatsächlich genommen zu werden, standen allerdings eher schlecht – schließlich war kein Job ausgeschrieben. Das hat mich jedoch nicht davon abgehalten, es dennoch zu probieren.

Die Midnatsol

Manchmal passieren Dinge anders als man sie erwartet – und das geschah auch hier so. Unerwarteterweise erhielt ich die Zusage fünf Wochen an Bord der MS MIDNATSOL (Mitternachtssonne) als Expeditionscrew mitarbeiten zu dürfen. Ich sagte zu. Und das obwohl mein Reiseplan 2016 sehr dicht war. Erst Mitte November kam ich von einer 4-wöchigen Reise von Taiwan und Thailand zurück – und am 21. Dezember begann mein Job am Schiff.

Dazwischen musste ich zahlreiche Artikel abliefern, mehrere Voträge halten und natürlich die Präsentationen für die Seereise vorbereiten. Gemeinsam mit meinem lieben Freund Timon habe ich noch das Filmmaterial, das ich 2014/15 aufgenommen habe, zu einem 17 minütigen Kurzfilm geschnitten, dessen Uraufführung an Bord der MIDNATSOL geplant war. Musikalischen Support bekam ich von der großartigen Stephie Hacker. Ich werde den Film wohl irgendwann auf meine Homepage stellen (aber das ist ein anderes Thema)

Booklet für die Kurzfilm -DVD (Weihnachtsgeschenk für meine besten Freunde und Eltern)

Hilfe! Die Zeit läuft mir davon

Immer wenn es ganz viele Sachen zu erledigen sind, gerate ich ins Schleudern. Und so ging es auch mir. Die knapp 5 Wochen waren viel zu kurz für all die Vorbereitungen. Schließlich galt es auch das tägliche Geschäft (Blogeintrag) nicht zu vernachlässigen und die bereits getroffenen Termine einzuhalten. Ich schrieb Listen, was noch alles zu tun ist und kam dennoch nicht mit der Zeit zurecht. Am letzten Abend vor meiner Abreise erwischte es mich dann heftigst. Ich war so fertig, dass ich nicht schlafen konnte – und am liebsten hätte ich alles abgesagt und mich in meinem Bett verkrochen. Der Abflugtag war also da – und eine 20 stündige Anreise stand mir bevor.

Südamerikaflüge gehen immer abends. Und auch mein Zubringer nach Madrid sollte erst gegen 19:30 gehen, dennoch fuhr ich bereits am Nachmittag zum Flughafen. Zuhause wäre ich nämlich ohnehin nur im Kreis gelaufen. Sobald ich im Flugzeug saß, ließ die Spannung deutlich nach. „Ich habe mich auf das alles eingelassen. Es wird schon irgendwie werden“, dachte ich.

Die Flüge verliefen gut. In Madrid gab ich mir die Thrombose-Injektion und ein großes Bier, ehe ich die nagelneue Boeing 787/9 der LAN Richtung Santiago bestieg. Trotz der Tatsache, dass ich einen Sitz an der Toilettwand hatte (diese sind fast immer frei, weil man dort den Sitz nicht ganz nach hinten klappen kann), schlief ich nach dem frugalen Mahl ein und schlummerte etwa 6 Stunden. Von Santiago – wo hochsommerliche Temperaturen herrschten – ging es nach 3 Stunden weiter nach Punta Arenas – ganz in den Süden des Kontinents.

Eineinhalb Tage Punta Arenas: Zeit zum Akklimatisieren

Punta Arenas

Punta Arenas ist nicht gerade der Nabel der Welt – eher mehr das Ende. Bis auf einige Häuser im eleganten Jahrhundertwendestil beherrschen flache, gesichtslose Gebäude das Stadtbild. Im Hochsommer – am 21. Dezember – ist hier die längste Nacht, ist es tagsüber bei 17 Grad angenehm warm. Kaum ist die Sonne jedoch verschwunden, wird es recht kühl.

Dennoch ist Punta Arenas voll mit Touristen, denn die Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt für Exkursionen durch Tierra del Fuego. Die Chilenen sind freundlich – viel freundlicher als die Argentinier. Das Chile mit ein paar kulinarischen Köstlichkeiten aufwarten kann, steht wohl außer Zweifel. Hier im Süden ist es die King Crab. Das Fleisch dieser großen stacheligen Krabbe ist sehr lecker. Und mit etwas Glück findet man ein Lokal, das diese Krabbe einfach zubereitet – am besten gekocht und anschließend kaltgestellt mit Weißbrot, Zitrone und ein wenig Mayo. Im Restaurant La Luna – http://www.laluna.cl/ wurde ich zumindest für zwei Tage Stammgast. Nach dem Essen gab es feinen chilenischen Rotwein. Die beiden Tage in Punta Arenas vergingen schnell.

King Crab im La Luna

Abholung zum Schiff: Die erste Reise kann beginnen

Trotz der Ankündigung einer Abholung vom Hotel um 9.00 Uhr morgens, war für knapp 90 Minuten keine Menschenseele zu sehen. Inzwischen hatte ich mich mit einem schwedisch-norwegischen Pärchen angefreundet: Jonathan und seine Freundin Michelle. Jonathan war ebenfalls an Bord der Midnatsol beschäftigt – als Fotograf.

Gegen 10:30 kam dann ein Mini-Bus und brachte uns zum Hafen. Die Spannung stieg. Jetzt war ich also hier. Als ich den ersten Blick auf die am Pier liegende MIDNATSOL warf, wurde mir bewußt, dass sie jetzt für 31 Tage lang mein Zuhause sein würde. Dann ging alles ganz schnell. Eine schnelle Begrüßung und ab zum Kleiderschrank, rein in die Uniform, dann schnell zum Fotografieren für die Bio – und zur ersten Instruktion zum Chef.

Der Tag des Einlaufens – und Auslaufens nach nur 8 Stunden – ist der Stressigste überhaupt. Jeder im Expeditionsteam ist damit beschäftigt, die neue Staff mit den notwendigsten Informationen und Equipment zu versorgen. Auf dem ganzen Schiff herrscht extreme Betriebsamkeit.

Der letzte Gast verließ knapp vor unserer Ankunft erst das Schiff – und die ersten neuen Passagiere sollten knapp eineinhalb Stunden danach bereits ankommen. Der Wust an Informationen und Aufgaben war leicht überfordernd. Gottseidank war Jonathan da, dachte ich mir. Nach und nach traf ich auch auf meine anderen Kollegen.

Ehe wir den größeren Teil an Gästen erwarteten, richteten wir auf mehreren Decks Check-In-Terminals ein. So konnten wir gleichzeitig mehrere Gäste bedienen. Ich war auf Deck 7 eingeteilt – und kurz nachdem meine Kollegin vom Hotel-Department die ersten Gäste eingecheckt hatte, begannen der Computer mit dem Drucker zu streiken. (Unlustigerweise geschah das zwei Wochen später mit demselben Gerät nochmals).

Wir mussten den ganzen Terminal schließen, weil auch ein Neustart nicht half und die Gäste auf ein anderes Deck schicken „Ein gutes Zeichen“, dachte ich mir. Doch der restliche Tag verlief recht problemlos. Doch als ich das erste Mal auf die Uhr blickte, war es bereits 18:00. Ehe wir ausliefen musste ich noch die Rettungsübung absolvieren. Als wir schließlich starteten, hatte ich noch nicht einmal meine Kabine von innen gesehen. Mein Koffer stand einsam und verlassen vor meiner Kabinentür.

Bio an Bord der Midnatsol

Lange Tage mit sehr viel Arbeit

Meine Expeditioncrew der ersten Reise am Heli-Landeplatz

Als wir Punta Arenas verließen war es kurz vor 19:00. Zeit für eine kurze Teamsitzung und Besprechung. Um 20:00 mussten wir uns – jeder einzeln – im Auditorium kurz vorstellen und unsere Gäste begrüßen. Um 21:00 dann für die zweite Gruppe nochmals. Dann war der Tag mehr oder weniger gelaufen. Mein Tutor zeigte mir noch zwei wichtige Sachen: die Crew-Messe (wo man mehr oder weniger den ganzen langen Tag etwas zu essen bekam) und die Waschküche zum Erledigen der eigenen Wäsche.

Der Tutor wies uns noch einmal daraufhin, dass für uns als Crew rund um die Uhr Alkoholverbot herrschte. Gegen 21.00 wankte ich todmüde in meine fensterlose Kabine, die ich ab sofort „Schuhschachtel“ nannte. Ruhepause bis 07.30 morgens. Ich hatte keine Zeit mir über irgendetwas Gedanken zu machen, denn unmittelbar nach dem Hinlegen schlief ich bereits.

Meine Kabine – ausschließlich für Crew

Keine Zeit für Sorgen und Probleme

Die erste Woche verging insofern schnell als ich nie Zeit hatte, darüber nachzudenken, ob es irgendetwas gibt, was mich belasten könnte. In der täglichen Abendbesprechung wurden die einzelnen Schritte des folgenden Tages penibel eingeteilt. Das Wohl unserer Gäste stand als höchste Priorität oben auf der Liste.

Drei Anlandungen in Tierra del Fuego – als erstes der Garibaldi-Gletscher und zwei 90 Minuten Bootsexkursionen pro Mann, dann ein ganzer Tag Puerto Williams mit einer 10 km Wanderung, wo ich als Schlußlicht eingeteilt war und zu guterletzt eine Anlandung auf Kap Hoorn, die allerdings insgesamt sechs Stunden Landausflug für die Expeditionscrew bedeutete, standen am Programm. Wir konnten überall plangemäß anlanden, denn das Wetter war mehr als perfekt.

Dann folgten zwei Seetage, in denen neben diversen Vorbereitungen wie Einteilung der Gäste in Bootsgruppen und Stiefelanprobe bzw. Ausgabe derselben am Programm standen. Dazu gab es die ersten Vorlesungen. Dann kam unerwartet, aber unbarmherzig die erste Schnupfenwelle bei den Gästen auf. So nach und nach erfasste sie uns dann auch. Alle schnieften, schnupften und husteten. Das bedeutete allerdings nicht, dass die Aktivitäten deshalb irgendwie eingeschränkt waren. Die Überfahrt der Drake-Passage war extrem ruhig. Das Hochdruckgebiet über der Region erfasste uns und hielt sich wie eine schützende Hand über unser Schiff. Die erste Anlandung in der Antarktis stand bevor (Fortsetzung folgt)

Die Midnatsol im Garibaldi Fjord

Link zur offiziellen Page meiner ersten HURTIGRUTEN Fahrt: MIDNATSOL REISE 21.12.2016






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